16. November | 2016

Architektur im Aktenordner - Bauakten und ihre Perspektiven für Archivierung und Wissenstransfer

42. Brandenburger Regionalgespräch

Bei Praktikern und Entscheidungsträgern in den Kommunen spricht es sich immer mehr herum: Baubezogene Unterlagen in Ämtern und Archiven sind ein wahrer Schatz, nicht nur für die Forschung. Für die verwahrenden Einrichtungen stellen sie allerdings mengenmäßig wie inhaltlich eine große Herausforderung dar. Gerade für die DDR-Zeit gibt es noch viel Klärungsbedarf: Wo und in welchen Zusammenhängen sind Bauakten entstanden? Gibt es Doppelüberlieferungen? Welche Unterlagen sollten dauerhaft archiviert werden bzw. sind nicht bewahrenswert?

Diese und ähnliche Fragen diskutierten die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 42. Regionalgesprächs des IRS am 16. November 2016, welches das IRS in Kooperation mit der Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken an der FH Potsdam durchführte. Ein besonderes Augenmerk galt in der Diskussion den ostdeutschen Bundesländern und Unterlagen zum Bauen in der DDR. Das Regionalgespräch gab einen Einblick in die aktuelle archivische Fachdiskussion zum Thema Bauakten mit dem Ziel, den Austausch von und mit Experten zu ermöglichen und zur weiteren Vernetzung in der Archivszene beizutragen. Insofern befasste sich die Veranstaltung nicht nur mit einem für die sozialräumliche Entwicklung aufschlussreichen Aktentyp. Das Regionalgespräch leistete auch einen Beitrag dazu, die Arbeit von Archiven in der Öffentlichkeit sichtbarer und in ihrer Bedeutung verstehbarer zu machen. Das IRS bestritt zwei der fünf Statements: Dr. Kai Drewes, Leiter der Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS, gab eine Einführung in das DDR-Bauwesen und seine archivalische Überlieferung, Lisa Zorn stellte ihr Promotionsprojekt über die individuelle Gestaltung eines Eigenheimtypenbaus in der DDR sowie die dabei entstandenen schriftlichen Unterlagen vor.

Das Regionalgespräch machte vor allem eines deutlich: Die Akteure in den Kommunen, dort also, wo Bauakten in der Regel zum großen Teil aufbewahrt werden, stehen angesichts der Aktenfülle vor einer Umbruchphase. Brigitta Heine, Leiterin des Kreisarchivs Barnim und Angelika Schulz, Leiterin des Stadtarchivs Potsdam, erklärten, die Verbesserung der Kommunikation zwischen Kommunen untereinander sowie mit den Landkreisen sei unabdingbar. Hier müssten von Seiten der Politik mehr Anreize und bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein weiteres Problem sahen die anwesenden Experten im Digitalisierungsstau, der in mangelnder personeller und finanzieller Ausstattung begründet ist. „Wenn wir hier nicht bald bessere Voraussetzungen schaffen, sehe ich schwarz für viele wertvolle DDR-Bestände“, sagte Michael Scholz, Professor an der Fachhochschule Potsdam. Eine Herausforderung stelle zudem die dauerhafte Sicherung heutiger, rein digital geführter Akten dar. Drewes unterstrich abschließend den Bedarf an speziellen Findmitteln im Internet sowie an Veröffentlichungen zum Thema Bauakten, die auf dem neuesten Wissensstand sind. Darüber hinaus, so Drewes, müssten neben den digitalen Bauunterlagen von Behörden auch auszuwählende Materialien heute tätiger Architekten in Brandenburg archiviert werden und es müsse eine Infrastruktur dafür geschaffen werden.