13. Dezember | 2021

Sind Städte Klimapioniere?

Neue Ausgabe des Magazins IRS aktuell beleuchtet Rolle von Städten in der Klimapolitik

Wer treibt eigentlich die Klimapolitik voran? Nach dem Gipfel von Glasgow und nach dem Abschluss des Ampel-Koalitionsvertrages stellt sich diese Frage dringlicher denn je. Zunehmend werden Städte und Stadtstaaten im politischen und medialen Diskurs als Klimapioniere gesehen, die dort neue Standards setzen, wo nationale Regierungen sich schwertun, etwa im Verkehrsbereich. Das IRS forscht seit Jahren zur räumlichen Organisation der Energiewende und zu klimapolitischer Steuerung. In Ausgabe 97 unseres Magazins „IRS aktuell“ berichten wir über Ergebnisse aus unseren Forschungen zur Rolle von Städten in der Klimapolitik. Dieses Transfermedium ist wieder online abrufbar und auch als Druckfassung im IRS kostenfrei beziehbar. 

Die aktuelle Ausgabe fasst neue Erkenntnisse zu klimapolitischer Aktivität in Städten zusammen. Dabei nimmt sie die Fragen in den Blick, welche Rolle die Zivilgesellschaft und Bewegungen wie Fridays4Future spielen, wie unterschiedliche Ebenen - von europäisch bis lokal - in der Klimapolitik zusammenwirken, und wie sich Klimaschutz- und Klimaanpassungsaktivitäten in Städten zu denen in suburbanen und ländlichen Räumen verhalten. Die Beiträge in dieser Ausgabe enthalten Kontaktangaben zu Forschenden und zahlreiche Verweise auf Publikationen und weitere Online-Angebote. In den Titelbeiträgen wird danach gefragt, welche Städte tatsächlich klimapolitisch aktiv werden, wie sie das tun, welche historischen und strukturellen Faktoren die Aktivi­täten beeinflussen und wie sich aktuelle Ereignisse auswirken:

Städtische Klimapolitik zwischen alten Industrien und neuen Allianzen

Städte gelten als Pioniere der Klimapolitik. Doch entspricht dieses Bild der Realität? Oder trifft es in Wahrheit nur auf wenige, prosperierende Metropolräume zu? Zwei Forschungsprojekte am IRS haben die klimapolitischen Aktivitäten von Städten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es gibt viele unterschiedliche Positionierungen. Und alte Ungleichgewichte bestehen fort. Doch gesellschaftlicher Druck hat gerade in den letzten Jahren vielerorts etwas bewegt.

Klimapolitische Steuerung: (Nicht nur) auf die Bundesländer kommt es an

Auf welcher Ebene findet Klimapolitik statt? Sind Städte die Treiber oder setzen sie nur Vorgaben um, die auf höherer Ebene beschlossen werden? Tatsächlich wirkt eine Kombination beider Mechanismen – und vieler weiterer, die zwischen diesen Extrempolen liegen. Neben der EU- und der Bundesebene sind in Deutschland besonders die Bundesländer einflussreiche Akteure, die vielfältige – und unterschiedlich ambitionierte – Antworten auf den Klimawandel finden. Städte stehen klimapolitisch wiederum mit allen Ebenen, von regional bis europäisch, in Kontakt.

Verkehrswende in Suburbia?

Der Verkehrs- und Logistikbereich ist ein Sorgenkind des Klimaschutzes. Für eine spürbare Verringerung seiner Treibhausgasemissionen werden neue, nachhaltige Konzepte benötigt, die über individuelle E-Mobilität hinausgehen und wirksam Verkehrsströme reduzieren. Solche Konzepte werden aber bislang hauptsächlich im Kontext städtischer Zentren diskutiert; suburbane und ländliche Räume werden dagegen zu wenig beachtet. Ein Projektverbund unter Beteiligung des IRS hat deshalb in einem urbanen und einem suburbanen Quartier vergleichend untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen neuartige Lösungen in Stadtlogistik und Verkehr akzeptieren und nutzen.

„Es geht um Machtkonflikte, nicht um Stadt-Land-Konflikte“

Die postfossile Transformation erfordert massive Investitionen in Infrastrukturen und neue Produktionskapazitäten. Oft treffen solche Investitionsprojekte auf Widerstände. Die so entstehenden Konflikte müssen im Rahmen von Planungsverfahren bearbeitet werden. Die Soziologin Eva Eichenauer und der Stadtplaner Manfred Kühn erforschen am IRS mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen Planungskonflikte rund um transformative Projekte. In einem Interview diskutieren sie, wie mit Konflikten produktiv umgegangen werden kann und welche räumlichen Dimensionen Planungskonflikte haben.

Im Nachrichtenteil schließlich informieren wir über neue Vorhaben, Publikationen und zentrale Veranstaltungen, etwa über eine internationale Konferenz zu Digitalisierung und Raumentwicklung als Abschluss des IRS-Forschungsprogramms „Städte und Regionen als offene Handlungs­zusammenhänge“ (2019-2021). Und IRS-Alumnus Thorsten Heimann zeigt im Interview, was Kul­tur- und Klimapolitik miteinander zu tun haben.

Kontakt und Hintergrund

Foto: Animaflora PicsStock/stock.adobe.com
No 97 | Dezember 2021

In dieser Ausgabe widmen wir uns den Städten und ihrer – möglichen – Rolle als Vorreiter der Klimapolitik. Bereits seit Längerem forscht das IRS zu den räumlichen Dimensionen der Energiewende. Neu hinzu kam vor drei Jahren die Frage nach klimapolitischen Ansätzen in Städten, in Deutschland wie auch im europäischen Rahmen. In den Titelbeiträgen dieses Hefts fragen wir, welche Städte tatsächlich klimapolitisch aktiv werden, wie sie das tun, welche historischen und strukturellen Faktoren die Aktivitäten beeinflussen, und wie aktuelle Ereignisse sich auswirken. mehr Info