13. September | 2019

IRS-Seminar zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung: Stefanie Döringer präsentiert Befunde aus Österreich

Gerade wenn ländliche Räume schwierige Wandlungsprozesse bewältigen müssen, kommt es oft auf die Initiative Einzelner an. Stefanie Döringer vom Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht in ihrem Promotionsprojekt den Handlungsspielraum und das Wirken von Schlüsselpersonen in der kleinstädtischen Wirtschaftsentwicklung. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf die Forschung zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung am IRS. Im Rahmen eines IRS-Seminars stellte sie am 2. September 2019 theoretische Überlegungen sowie erste Ergebnisse aus ihrer Feldforschung in Österreich vor.

Obwohl die Bedeutung von Schlüsselpersonen zunehmende Aufmerksamkeit erfährt, sind individuelle Akteure, ihr Handeln und ihre Netzwerke in der Literatur zu Governance – also der Steuerung von Entwicklungsprozessen – bislang unterrepräsentiert. In Konzepten zu Policy Entrepreneurship oder Institutional Entrepreneurship hingegen werden die individuellen Fähigkeiten und Handlungen von Einzelpersonen in Hinblick auf Institutionen- oder Politikwandel betont. Ergänzend zu diesen beiden Ansätzen erarbeitete Döringer das Konzept des Governance Entrepreneurship, um die Rolle von Schlüsselpersonen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in die Betrachtung lokaler Steuerungs- und Entscheidungsstrukturen zu integrieren. Das Konzept fokussiert auf Schlüsselpersonen (Governance Entrepreneure) und deren Beitrag zu einem lokalen Governance-Wandel. Unterschieden werden dabei drei Dimensionen von Veränderung: Akteurskonstellationen, Interaktionsmodi und Handlungsräume.

Anhand von zwei Fallbeispielen aus Österreich, in denen die lokalen Akteure in Projekten und Initiativen (u.a. Innovationshubs, Coworking Spaces) demographischen und ökonomischen Herausforderungen aktiv begegnen, veranschaulichte Döringer den konzeptionellen Ansatz. Sie betonte, dass neben der Charakterisierung der Schlüsselpersonen insbesondere deren Vernetzung im kleinstädtischen Steuerungsgefüge von Bedeutung sei, um den individuellen Beitrag zu den oft vielfältigen räumlichen Wandlungsprozessen eingehend analysieren zu können. Anhand einer chronologischen Darstellung skizzierte sie die Entwicklungen in den Entscheidungs- und Steuerungsstrukturen der beiden Kleinstädte und hob die Unterscheidung zwischen einem temporär-situativen bzw. langfristigen Governance-Wandel hervor.

In der anschließenden Diskussion wurde der Punkt einer weiteren konzeptionellen Ausdifferenzierung von Governance-Wandel, etwa in Hinblick auf den Formalisierungsgrad der Interaktionen oder die Kommunikationsform der Akteure, vertieft diskutiert. Darüber hinaus war auch die Schwierigkeit der Identifikation von Schlüsselpersonen Gegenstand der Diskussion. Auch in den abteilungsübergreifenden IRS-Brückenprojekten ergab sich hierbei die Frage, was eine Schlüsselfigur auszeichnet und inwiefern externe Zuschreibungen, individuelle Fähigkeiten oder subjektive Intentionen als Definitionskriterien für Schlüsselfiguren herangezogen werden können. Stefanie Döringer bedankte sich abschließend für die anregende Diskussion und die hilfreichen Anregungen, die mit Sicherheit zur Weiterentwicklung des Ansatzes beitragen werden.

IRS Seminar
02. September | 2019

Die Verschärfung räumlicher Disparitäten durch demographische und ökonomische Entwicklungen stellt periphere Räume und ihre Akteure vor komplexe Herausforderungen. In diesem Zusammenhang wird in Wissenschaft und Praxis verstärkt die zentrale Rolle von Schlüsselpersonen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung oder Zivilgesellschaft für Wandlungsprozesse betont. Ausgehend von der räumlichen Einheit der Kleinstädte fokussiert dieses IRS-Seminar auf den Handlungsspielraum (agency) von individuellen Akteuren in lokalen Steuerungs- und Entscheidungsstrukturen. Ziel ist es, unter Berücksichtigung von strukturellen Rahmenbedingungen den Beitrag von Entrepreneurial Individuals zu räumlichen und ökonomischen Wandlungsprozessen genauer zu analysieren. mehr Info

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Zum Weiterlesen: Coworking in ländlichen Räumen

Prof. Dr. Ignasi Capdevila, PSB Paris School of Business. Foto: IRS
29. März | 2019 | Veranstaltung

Coworking Spaces, Maker Spaces und andere Arten von „Labs” gelten als urbanes Phänomen. Und tatsächlich finden sich die meisten von ihnen in größeren Städten. Es gibt sie allerdings auch auf dem Land, und womöglich können sie, als Teil einer Gesamtstrategie, auch der wirtschaftlichen und demographischen Stabilisierung ländlicher Regionen dienen. Bei einem IRS-Seminar am 19. März 2019 stellte Ignasi Capdevila von der Paris School of Business eine ländliche Coworking-Initiative aus der spanischen Region Katalonien vor. mehr Info