25. Juni | 2019

IRS-Stadtforscherin Dr. Laura Calbet Elias erhält Studienpreis Wohnungspolitik des Deutschen Mieterbundes

Was passiert mit dem Wohnungsbau, wenn Finanzinvestoren sich immer stärker für Wohnimmobilien interessieren? Diese Frage untersuchte Laura Calbet Elias, die aktuell am IRS ihre Habilitation vorantreibt, in ihrem Promotionsprojekt. Sie beließ es nicht beim Zusammentragen statistischer Befunde, sondern nahm detailliert in den Blick, wie die Rolle und Arbeitsweise von Bauherren sich gewandelt hat. Dafür wurde sie jetzt mit dem zweiten Preis beim Studienpreis Wohnungspolitik des Deutschen Mieterbundes ausgezeichnet.

Auch Angela Merkel kam nach Köln, um sich zu positionieren. Wie brisant das Thema Wohnen derzeit ist, zeigte sich auch an der Anwesenheit politischer Prominenz und der medialen Aufmerksamkeit, die dem Deutschen Mietertag am 14. Juni 2019 zuteilwurde. Mit dem in Vorbereitung befindlichen Berliner Mietenvolksentscheid und den aktuellen Plänen des Berliner Senats, die Mieten zu deckeln, erhöhte sich noch einmal die Intensität der Auseinandersetzung um die Wohnungspolitik. Die Bundeskanzlerin sprach sich in Köln – wenig überraschend – gegen den Mietendeckel als Maßnahme der Wohnungspolitik aus. Die Mehrheit der Anwesenden, allen voran der Deutsche Mieterbund (DMB) als Gastgeber, sah das anders.

Die zunehmende Popularität drastischer Eingriffe in den Wohnungsmarkt hat mit der Wahrnehmung zu tun, dass das Preisniveau von Wohnraum eben nicht einem natürlichen Wechselspiel von Angebot und Nachfrage folgt, sondern einem anderen, einem spekulativen Muster: Wohnraum als Luxusgut, das mit dem Ziel maximaler Renditen künstlich verknappt wird. Doch was spielt sich auf dem Wohnungsmarkt tatsächlich ab? Der Deutsche Mieterbund und das Institut für Raumplanung (IRPUD) der Technischen Universität Dortmund vergeben gemeinsam den Studienpreis Wohnungspolitik, mit dem herausragende Forschungsarbeiten gewürdigt werden, die zu einem besseren Verständnis aktueller Wohnungsmarktprozesse beitragen, auch im Hinblick auf mögliche wohnungspolitische Steuerungsansätze. Laura Calbet Elias, Postdoktorandin in der Forschungsateilung "Regenerierung von Städten" des IRS, wurde auf dem Mietertag in Köln gemeinsam mit einer weiteren Preisträgerin und zwei Preisträgern ausgezeichnet. Der Preis ist mit 750 € dotiert.

Laura Calbet Elias ist Stadt- und Regionalplanerin. In ihrem Promotionsprojekt untersuchte sie am Beispiel von Berlin, wie der Wohnungsneubau sich durch „Finanzialisierung“, also den Zunehmenden Einfluss von Kapitalmärkten auf die Realwirtschaft (hier: Immobilien) verändert. Sie arbeitete zunächst heraus, dass staatliches Handeln einen erheblichen Beitrag zu diesem Trend geleistet hat, etwa durch die Privatisierung staatlicher Wohnungsbaugesellschaften oder den zeitweisen Rückzug aus dem sozialen Wohnungsbau.

Der Hauptteil ihrer empirischen Analyse fokussierte aber die gewandelte Rolle des Bauherren bzw. des Developers – also spezialisierter Bauentwicklungsunternehmen. Sie konnte zeigen, dass im Betrachtungszeitraum ihrer Studie, 2009 bis 2017, ein grundsätzlicher Wandel bei diesen professionellen Bauherren eintrat. Neue Akteure traten auf, die sich anders finanzieren als zuvor üblich – über große Investmentfonds statt über Bankkredite – und deren Prioritäten und Handlungsweisen sich von denen traditionellerer Bauherren unterscheiden. In der Gesamtschau ihrer Befunde wurde deutlich, dass Developer heute in erster Linie Anlagemöglichkeiten für Investitionskapital produzieren. Die Erzielung eines bestimmten Renditeniveaus ist deren zentrale Handlungsmotivation, der andere Fragen untergeordnet werden. Entsprechend skeptisch ist Calbet hinsichtlich der mietpreisdämpfenden Wirkung von Wohnungsneubau. „Es funktioniert nur, wenn die Bauherren nicht finanzialisiert sind“, sagt sie.

Ihre Dissertationsschrift mit dem Titel „Spekulative Stadtproduktion. Finanzialisierung des Wohnungsneubaus im innerstädtischen Berlin“ reichte Laura Calbet Elias an der Fakultät VI – Planen Bauen Umwelt der Technischen Universität Berlin ein und verteidigte sie am 7. November 2017 erfolgreich. Sie erhielt die Bestnote „summa cum laude“. Die Arbeit wurde von Angela Million, Professorin am Fachgebiet Städtebau und Siedlungswesen der TU Berlin, und Ute Lehrer, Professorin an der York University Toronto, betreut.

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