28. Juni | 2019

Große Resonanz auf IRS-Angebote bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2019

Prof. Dr. Felicitas Hillmann

Atrium der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft

Projekt Stadtsicherheit 3D

Prof. Dr. Felicitas Hillmann

Wissenschaftliche Sammlungen

Posterausstellung Wissenschaftliche Sammlungen

Büchertisch Wissenschaftliche Sammlungen

Partizipatives Mapping des Projekts Stadtsicherheit 3D

Vortrag Dr. Laura Calbet Elias

Dr. Laura Calbet Elias

Prof. Dr. Gabriela Christmann, Dr. Christian Reichel

Gerhard Mahnken, Dr. Kai Drewes

Posterausstellung

Stalinallee, Wissenschaftliche Sammlungen

Simulationstool Stadtsicherheit 3D

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2019 am 15. Juni in Berlin konnte das IRS sich über reges Interesse freuen. Die Besucherresonanz lag dabei auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Rekordjahr 2018. Mit vier Angeboten zu den Themen Migration, Wohnungsbau, Planungsgeschichte und Sicherheitsempfinden in der Stadt war das Institut in der Leibniz-Geschäftsstelle in Berlin-Mitte prominent vertreten. Ein Projektteam nutzte die Gelegenheit sogar, um Daten zu sammeln.

„Für eine Nacht auf den Boden der Tatsachen“, lautete der Slogan auf den Werbepostern für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Angebote auf der Langen Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr. Die Poster zeigten ein im Selfie-Stil aufgenommenes paar Füße, das vor der mit Pflastersteinen markierten Berliner Mauer-Linie steht. Ist der Berliner Asphalt als Boden der Tatsachen in der Kampagne eher als Metapher zu verstehen, so wird er im IRS auch ganz wörtlich verhandelt, nämlich von seiner Historischen Forschungsstelle und deren Wissenschaftlichen Sammlungen zur Planungsgeschichte der DDR. Die Sammlungen sind ein Evergreen der IRS-Präsenz auf der Langen Nacht. Sie verfügen über einen reichen Fundus an Original-Plänen, Zeichnungen und Architekturentwürfen aus der gesamten Bau- und Planungsgeschichte der DDR – teils auch aus Westberlin und Nachwendedeutschland – der bei verschiedenen Veranstaltungen regelmäßig auf großes Publikumsinteresse trifft.

Auf dieser Langen Nacht präsentierten sich die Sammlungen im Atrium der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft in der Chausseestraße wieder mit einer Auswahl an Originalen, die als Hingucker und Publikumsmagnete wirkten, wie etwa der Intarsienentwurf zum Strausberger Platz von Otto Bogatzky (um 1956). Ergänzend zeigten sie diesmal eine Zusammenstellung von Postern aus verschiedenen schon gezeigten Ausstellungen: aus der in Erfurt und Berlin gezeigten Ausstellung zum Lebenswerk des deutsch-deutschen Urbanisten Egon Hartmann, aus der Ausstellung „DDR von oben“ mit Luftaufnahmen des Fotografen Lothar Willmann und aus der Ausstellung „Planschätze“, einer Art Best-of der Sammlungen. Während sich die Besucherinnen und Besucher meist schweigend in die Poster vertieften, lud der mit Exponaten beladene Tisch zum Dialog mit den IRS-Archivfachleuten Anja Pienkny und Kai Drewes ein. „Wir hatten viele gute Gespräche“, sagt Kai Drewes, Leiter der Wissenschaftlichen Sammlungen, zufrieden. „Es gab sehr spezifische Nachfragen – zur Planungsgeschichte im Sozialismus, wie Planungsprozesse abliefen. Viele entdeckten hier Entwürfe, zu denen sie einen persönlichen Bezug haben, etwa weil sie an den betreffenden Orten aufgewachsen sind. Die Leute brachten sehr viele Erfahrungen und Hintergrundwissen mit, und daraus ergaben sich für uns spannende Diskussionen.“

Die „klügste Nacht des Jahres“ startete in diesem Jahr an einem hochsommerlich heißen Samstagnachmittag. Im vom Abendlicht durchfluteten Atrium, wo sich die Sammlungen präsentierten, sorgten viele offene Fenster noch für angenehmen Durchzug. Sehr viel wärmer wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern der beiden IRS-Vorträge in den gut gefüllten Seminarräumen der Geschäftsstelle. Dennoch war auch hier das Interesse groß und blieb es auch.

Felicitas Hillmann, Leiterin der Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“, hatte für ihren Vortrag einen provokanten Titel gewählt: „Migration ist nicht die Mutter aller Probleme, sondern deren Antwort. Wie Städte mit Migration umgehen, in Berlin und anderswo. Ein international vergleichender Blick für Neugierige“. Sie spannte einen weiten Bogen von der Geschichte Deutschlands als Migrationsland (nur eben lange Zeit als Auswanderungsland) und die ihrer Auffassung nach intellektuell stark verkürzte Bearbeitung von Migrationsfragen hierzulande, über die die wandlungsreiche Betrachtung von Migranten und anderen Minderheiten in der Stadtforschung (in der immer wieder wesentliche Impulse aus den USA nach Deutschland „schwappten“) bis zu aktuellen Steuerungsansätzen in der Stadtpolitik. Ihre Kernthesen: Den deutschen Städten stehen vergleichsweise starke, wenn auch bürokratische Steuerungsinstrumente zur Verfügung, um mit migrationsbedingter Vielfalt umzugehen. Obwohl die Migrationsereignisse der letzten Jahre nicht ins „Beuteschema“ städtischer Einwanderungsstrategien passen (die richten sich eher auf hochqualifizierte oder wohlhabende Migrierende), werden gerade Städte – besonders solche, die schon Erfahrung mit Einwanderung haben – zu Pionieren einer migrationsfreundlichen Politik. Und: Wer Migration verstehen will, muss sie auch durch die Brille des migrierenden Individuums sehen.

Laura Calbet, ebenfalls von der Abteilung „Regenerierung von Städten“ präsentierte unter dem Titel „Wie wollen wir wohnen in Berlin? Politikprobleme zwischen Spekulation und Regulierung“ Ergebnisse aus ihrer Doktorarbeit an der Technischen Universität (TU) Berlin, für die sie am Tag zuvor vom Deutschen Mieterbund mit dem Studienpreis Wohnungspolitik ausgezeichnet worden war. Calbet hatte von 2009 bis 2017 untersucht, wie die Rolle und Arbeitsweise professioneller Bauherren (Developer) in Berlin sich nach der Finanzkrise veränderte. Sie konnte zeigen, dass das gewachsene Interesse von Finanzinvestoren am Berliner Wohnungsmarkt sich massiv in der Art und Weise auswirkte, wie Wohnungen geplant, gebaut und am Wohnungsmarkt angeboten werden. Ihre Forschungsergebnisse lassen daran zweifeln, dass Neubau zwingend als Maßnahme gegen rapide steigende Mieten hilft. „Bauen, bauen, bauen – das hilft nur, wenn die Bauherren nicht in erster Linie kapitalmarktgetrieben sind“, sagt sie.

Wieder im luftigen Atrium nutzte das Team des Verbundprojekts „Sicherheitswahrnehmungen in urbanen Räumen. Best Practices für baulich-räumliche Gestaltungen und digitales Planen“ (kurz „Stadtsicherheit 3D“) die Gelegenheit, mit Berlinerinnen und Berlinern ins Gespräch zu kommen. Der IRS-Anteil des Projekts ist in der Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum“ angesiedelt, wird von Abteilungsleiterin Gabriela Christmann verantwortet und von Techniksoziologin Mandy Töppel bearbeitet. Es unternimmt den außergewöhnlichen Versuch, das subjektive Sicherheitsempfinden der in drei Berliner Kiezen lebenden Menschen mit physischen Eigenschaften konkreter Orte, wie Lichteinfall, Sichtbezüge und Akustik in Zusammenhang zu bringen. Die Gegend um den Alexanderplatz ist einer dieser Kieze. Wie schon auf einem partizipativen Workshop Anfang Juni hatte das Team eine Luftbildkarte ausgebreitet, die immer wieder neu mit Folien überzogen wurde. Interessierte konnten dann mit farbigem Marker auf der Folie einzeichnen, an welchen Orten sie sich besonders unsicher fühlen. Am Rande ergaben sich angeregte Diskussionen. „Für uns war es sehr produktiv“, sagt Praktikantin Marie Ebert. „Am Alex sind es immer wieder die gleichen Orte. Die Leute fühlen sich in den beiden Gleisunterführungen unsicher, weil es dort dunkel ist und unangenehm riecht, an der Rathausstraße, weil sie so eng und voll ist, und in den Durchgängen direkt unter dem Fernsehturm, weil sie schlecht einzusehen sind. Die Polizeiwache auf dem Alex ist dagegen ein klares Plus für das Sicherheitsempfinden“. So konnten auf der Langen Nacht der Wissenschaften sogar Daten für die IRS-Forschung erhoben werden.  

Ausstellungseröffnung in Berlin. Foto: Architekturmuseum TU Berlin
16. April | 2019 | Veranstaltung

In diesem Jahr jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Zugleich wäre der Architekt und Stadtplaner Egon Hartmann, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik den deutschen Nachkriegs-Städtebau maßgeblich mit prägte, 100 Jahre alt geworden. Die Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS widmen Hartmann deshalb eine Ausstellung, die zurzeit im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin zu sehen ist. mehr Info

25. Juni | 2019 | Aktuelles

Was passiert mit dem Wohnungsbau, wenn Finanzinvestoren sich immer stärker für Wohnimmobilien interessieren? Diese Frage untersuchte Laura Calbet Elias, die aktuell am IRS ihre Habilitation vorantreibt, in ihrem Promotionsprojekt. Sie beließ es nicht beim Zusammentragen statistischer Befunde, sondern nahm detailliert in den Blick, wie die Rolle und Arbeitsweise von Bauherren sich gewandelt hat. Dafür wurde sie jetzt mit dem zweiten Preis beim Studienpreis Wohnungspolitik des Deutschen Mieterbundes ausgezeichnet. mehr Info