14. Mai | 2019

IRS-Wissenschaftler tragen bei Fraktionsklausur von Bündnis 90/Die Grünen Erkenntnisse und Empfehlungen für Stabilisierung ländlicher Räume vor

„Anschluss halten im ländlichen Raum“ lautete ein Thema, mit dem sich die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen bei ihrer Klausur Anfang Mai beschäftigte. Ariane Sept und Tobias Federwisch von der Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum“ waren dabei. Im Rahmen der Politik- und Gesellschaftsberatung des IRS präsentierten sie Forschungserkenntnisse und daraus abgeleitete Empfehlungen, wie ländliche Räume gestärkt werden können.

Am 2. und 3. Mai traf sich die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Potsdam zu ihrer alljährlichen Klausur. Am zweiten Tag stand unter anderem die Frage auf dem Programm, wie strukturschwache ländliche Räume besser unterstützt werden und eine generelle Abkopplung des ländlichen Raums von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Fortschritt verhindert werden kann. Vor dem Hintergrund der großen politischen Aufmerksamkeit, die dem Thema gleichwertige Lebensverhältnisse derzeit zukommt - unter anderem berät seit September 2018 eine eigens eingesetzte Regierungskommission beim Bundesministerium des Innern, für Bauen und Heimat darüber - bestand auch bei den Grünen der Bedarf, aktuelle Positionen zur Raumordnungs- und Raumentwicklungspolitik zu erörtern.

Dabei wurden auch Expertenmeinungen eingeholt. Neben Jörg Gleisenstein, Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen & Umwelt der Stadt Frankfurt (Oder), war auch die Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum" des IRS eingeladen, ihre Expertise einzubringen. Ariane Sept und Tobias Federwisch, beide Postdocs in der Abteilung, trugen auf der Klausur vor. Sie griffen dabei auf umfangreiche Forschungserkenntnisse aus mehreren Leit- und Drittmittelprojekten der Forschungsabteilung zurück. Insbesondere die Leitprojektforschung zur Entstehung sozialer Innovationen in Landgemeinden (2015-2018), die aktuell in einem Leitprojekt zu Digitalisierungsprozessen im ländlichen Raum ihre Fortsetzung findet, bildete die Basis für ihre Ausführungen.

Sept und Federwisch hoben drei Aspekte besonders hervor: Die Dezentralisierung von Bundesinstitutionen (etwa Behörden) als strukturpolitisches Instrument des räumlichen Ausgleichs, Digitalisierung als Chance staatliche Daseinsvorsorge auf innovative Art zu organisieren, sowie die Förderung sozialer bzw. sozio-technischer Innovationen im ländlichen Raum als Mittel, um mehr Selbstbestimmung in der ländlichen Entwicklung zu ermöglichen. Das 2018 abgeschlossene Leitprojekt zu innovativen Landgemeinden hatte insbesondere zum letzten Punkt reichhaltige Erkenntnisse hervorgebracht. So sprach sich Tobias Federwisch in seinem Statement für ein „Baukastensystem" der Förderung aus, das den vielfältigen und im Zeitverlauf wechselnden Bedarfen gerecht wird, die im Lauf von sozialen Innovationsprozessen auftreten, und das materielle und immaterielle Komponenten (wie Beratung und Mentoring von Innovationsakteuren in Landgemeinden) umfasst. 

Dr. Burkhardt Kolbmüller, Tilo Sahlbach, Gottfried Heinicke, Wolfgang Krämer, Marion Ben Rabah, Friedel Lenze, Prof. Dr. Gabriela Christmann, Detlef Neumann, Dr. Tobias Federwisch, Dr. Ralph Richter. Foto: IRS
30. November | 2018 | Aktuelles

Was tun, wenn der letzte Laden geschlossen hat und der Bus kaum noch fährt? Gemeinden im ländlichen Raum stehen oft vor besonderen Herausforderungen, wenn es darum geht, ihren Einwohnern gleichwertige Lebensbedingungen zu bieten. Doch oft sind die Bürgerinnen und Bürger in Landgemeinden auch besonders kreativ beim Umgang mit solchen Problemen. Sie finden neue, unkonventionelle Lösungen. Das IRS hat solche „sozialen Innovationen“ in Landgemeinden untersucht. Am 29. November 2018 kamen innovative Praktiker/-innen aus dem ländlichen Raum nach Erkner, um die Projektergebnisse zu diskutieren. mehr Info