13. Oktober | 2017

Erfolgreiche Drittmitteleinwerbung im deutsch-polnischen „Beethoven“-Programm

Zwei Projekte zur Grenzraumforschung und zu sozialräumlichen Segregationsprozessen starten 2018

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihr polnisches Pendant Narodowe Centrum Nauki (NCN) haben im Jahr 2014 die gemeinsame Beethoven-Initiative ins Leben gerufen, um Forschungskooperationen im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften zu fördern. In der ersten Förderperiode konnte das IRS bereits gemeinsam mit  dem Institut für Literaturwissenschaft in der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau das Forschungsprojekt „Kulturelle Konstruktionen von Vulnerabilität und Resilienz. Wahrnehmungen zu Gefährdungen durch aquatische Phänomene an der Oder in Deutschland und Polen“ (CultCon) einwerben. Im September 2016 haben DFG und NCN eine zweite Runde im Beethoven-Programm ausgeschrieben, in der das IRS mit polnischen Partnereinrichtungen gleich zwei Projekte akquirieren konnte. Ab 2018 forschen Wissenschaftler/-innen in Erkner, Łódź und Poznan zu deutsch-polnischen Grenzräumen und zu den Ursachen von Segregationsprozessen in Halle und Łódź.

Das von Dr. Matthias Bernt (Forschungsabteilung  „Regenerierung von Städten“) in Kooperation mit der Universität Łódź eingeworbene Projekt „Similar but Different: Neighbourhood Change in Halle (Saale) and Łódź“ thematisiert unterschiedliche Pfade der Entwicklung von Quartieren in den beiden Städten nach dem Systemwechsel vor gut 25 Jahren. Die Wissenschaftler/-innen gehen dabei von der Annahme aus, dass trotz vergleichbar scheinender Voraussetzungen keine Konvergenz der Entwicklung von Quartieren in beiden Städten eintrat, sondern unterschiedliche institutionelle Formationen zu abweichenden Logiken, Dynamiken und Mustern in der Quartiersentwicklung führten. Sie analysieren zu diesem Zwecke Suburbanisierungs- und Gentrifizierungsprozesse sowie Entwicklungen von Großwohnsiedlungen. Diese sozialräumlichen Veränderungen in diesen Quartieren werden in Relation zum   Wandel von Eigentmsverhältnissen, Förderprogrammen und Planungspolitiken in beiden Städten untersucht. Im Ergebnis erwartet Bernt sowohl neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel von institutionellen Kontexten und sozio-räumlichen Differenzierungsprozessen als auch über  post-sozialistische Stadtentwicklung in Mittel- und Osteuropa.

Weg von Städten in Deutschland und Polen hin zur Grenze zwischen beiden Staaten wird der Blick in dem von Prof. Dr. Gabriela Christmann gemeinsam mit der Adam-Mickiewicz-Universität Poznan eingeworbenen Projekt „Socio-spatial Transformations in German-Polish ‚Interstices‘. Practices of Debordering and Rebordering“ (DE-RE-BORD) gelenkt. Die Wissenschaftler/-innen untersuchen sozio-räumliche Transformationsprozesse beiderseits der deutsch-polnischen Grenze nach deren Öffnung im Jahr 2007. Sie nehmen an, dass durch die Grenzöffnung das Passieren derselben vielerorts zum Alltag geworden ist und somit Entgrenzungsprozesse wirksam wurden. Dennoch blieben Kulturräume beiderseits der Grenze bestehen, weshalb symbolische Grenzen die physischen überdauert haben könnten. Dazu kommt die Annahme, dass der Wegfall einer nationalen Grenze die Neuziehung von verschiedensten Grenzen im Kleinen begünstigt haben könnte. Diese seien durch Zäune materiell sichtbar, manifestierten sich aber auch im Symbolischen und in Diskursen. Das Projekt zielt darauf, diese Prozesse der Entgrenzungen und neuen Grenzziehungen und damit die Entwicklung neuer „Zwischen-Räume“ zwischen Deutschland und Polen empirisch zu beforschen und darauf aufbauend auch einen Beitrag zur theoretisch-konzeptionellen Weiterentwicklung von sozio-räumlichen Transformationsprozessen in Grenzregionen zu leisten. 

Die Forschungsprojekte knüpfen an eine lange Tradition der Zusammenarbeit des IRS mit polnischen Partnern an. Diese wurden im IRS aktuell "International Forschen" vom April 2017 in dem Beitrag „Tradition und Zukunft – IRS-Kooperationen mit Polen“ dargestellt. Klicken Sie rechts auf den Teaser zum Beitrag, um mehr über die langjährigen Forschungsbeziehungen zum Nachbarland zu erfahren.

15. Juni | 2017 | Feature

Die Internationalisierungsstrategie des IRS setzt klare räumliche Schwerpunkte. Dahinter steht der Gedanke, dass eine Konzentration auf bestimmte Regionen es ermöglicht, sowohl umfassend zu dort relevanten Fragestellungen zu forschen, als auch intensive Beziehungen zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Forschungseinrichtungen zu entwickeln. Neben Nordamerika und Skandinavien ist Polen einer dieser Fokusräume: Mit Partnern aus dem östlichen Nachbarland verbinden das Institut seit zwanzig Jahren vielfältige Beziehungen, die im Zuge der Internationalisierungsstrategie und durch mehrere aktuelle Forschungsprojekte nochmals vertieft wurden. mehr Info