21. August | 2017

Partizipative und innovative Potenziale von Open Creative Labs

Seit einigen Jahren öffnen weltweit in vielen Großstädten und Regionen offene Orte für kreative Zusammenarbeit und nutzergetriebene Innovation unter Namen wie „Coworking Space“, „Fab Lab“ oder „Maker Space“ ihre Türen. In dem zweijährigen, BMBF-geförderten Projekt „Open Creative Labs in Deutschland“ haben Wissenschaftler/-innen des IRS diese Orte in deutschen Metropolregionen erfasst und typisiert. Darauf aufbauend sind sie der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten zur erweiterten Partizipation von Bürger/-innen an Innovationsprozessen sich durch diese neuen Orte ergeben. Am 23. Juni 2017 hat das Projektteam seine Forschungsergebnisse mit Vertreter/-innen aus Politik und Wirtschaft auf der Konferenz „Partizipation durch Machen: Open Creative Labs als Zwischenorte für Innovationen“ diskutiert. 

„Open Creative Labs haben ihren Platz im Innovationsprozess gefunden“, unterstrich Dr. Kerstin Schmal vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in ihrem Grußwort auf der Konferenz. Sie nehme erfreut zur Kenntnis, dass diese Orte eine nennenswerte Relevanz erlangt haben und ihr Wirken im Wesentlichen positiv für Innovationsprozesse, aber auch für regionale und städtische Entwicklungspolitiken zu bewerten ist. Damit griff sie ein Fazit der IRS-Wissenschaftler/-innen auf, die in der Abschlussbroschüre des Projekts von positiven Effekten, aber auch von Ambivalenzen und noch unverstandenen Nebenwirkungen sprechen. „Das Projekt Open Creative Labs ist ein sehr wichtiges und interessantes Projekt, denn es beschäftigt sich mit dem Dreiklang aus Kreativität, Partizipation und Innovation“, so Schmal. „Dieser Dreiklang kommt, wie wir gesehen haben, nicht ohne Spannungen aus.“ Die Spannungen berührten beispielweise die Offenheit und Selektionsmechanismen der Labs oder die Frage, wie eine wirksame Förderung aussieht, die nicht der bottom-up-Charakteristik der Orte zuwiderläuft. 

Impression von der Konferenz

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Impression von der Konferenz

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Impression von der Konferenz

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Impression von der Konferenz

Auf einige dieser Fragen nahm Projektleiter Prof. Dr. Oliver Ibert bereits in seinem Einführungsvortrag Bezug. Er stellte zunächst die Forschungsergebnisse des Projekts vor: Am Anfang steht die Definition des von ihm und dem Projektteam geprägten Begriffs Open Creative Labs, anschließend stellte er die Datenerhebung und Auswertungsmethodik vor. Kern des Vortrags war die Erläuterung der Typisierung der Labs, deren räumliche Verteilung  zwischen und innerhalb der elf deutschen Metropolregionen sowie deren Entwicklungsbedingen. Open Creative Labs sind demnach ein weit verbreitetes Phänomen, aber die 357 identifizierten Orte verteilen sich sehr ungleichmäßig auf die Metropolregionen. Berlin ist mit 100 Labs das dominante Zentrum, weil die Stadt viele der förderlichen Rahmenbedingungen für Labs in hohem Maße bietet. Dazu zählen etwa Freiräume durch Stadtteile im Umbruch, die starke Präsenz und Vielfalt der Kreativwirtschaft, urbane Qualitäten und akademische Milieus. Den häufigsten Typ der Labs stellen „Generic Working Labs“ dar, die thematisch breit aufgestellt und mit einer Grundausstattung (Büroarbeitsplätze, Internetzugang) ausgestattet sind. Sie werden meist privat betrieben und können gegen Bezahlung auch spontan genutzt werden.

Wesentliche Elemente der auf Wissenstransfer zwischen Forschung, Praxis und Politik ausgerichteten Konferenz waren die beiden zweiteiligen Workshops „Partizipatives Potenzial von Open Creative Labs“ und „Innovatives Potenzial von Open Creative Labs“, im Rahmen derer die Teilnehmer/-innen aus der IRS-Forschung abgeleitete Thesen diskutierten und daraus Implikationen für die Rahmenbedingungen und Förderstrategien ableiteten. Deutlich wurde, dass Open Creative Labs sowohl für individuelle wie auch teamgetriebene Innovationen wichtige Stationen einnehmen. Sie bieten Zugang zu Ressourcen, Gleichgesinnten und Netzwerken. Damit übernehmen sie komplementäre Funktionen in Innovationssystemen, insbesondere für nutzer- und problemgetriebene Innovationen. Um dieses Potential gezielt zu fördern, braucht es Brückenbauer und Übersetzer sowie tragfähige Governancemodelle, die als Adressaten und Vermittler wirken können. 

Die Workshops knüpften auch an ein Diskussions-Panel an, das die Relevanz und die Potenziale von Open Creative Labs aus der Sicht der Forschung und der Praxis thematisierte. Es diskutierten mit Anne Bergner (Hochschule Coburg) und Leonhard Dobusch (Universität Innsbruck) zwei ausgewiesene Kenner der Lab-Szene mit Experten aus der Praxis: Martin Laarmann (Make Munich) und Anni Roolf (Coworking Wuppertal), die über Perspektiven von Innen auf diese Orte verfügen. Die Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer unterstrichen, dass Open Creative Labs sowohl alte, bekannte Elemente mit neuen verschneiden und sich bspw. durchaus Vergleiche zu Sportvereinen ziehen lassen. Neu sind das Ineinandergreifen von analogen und digitalen Elementen und der enge Zusammenhang zwischen Community und Raum. Aber, auch das wurde betont, die scheinbare Offenheit der Labs hat auch deutliche Grenzen. 

Vortrag "Open Creative Labs in Deutschland" von Prof. Dr. Oliver Ibert

Diskussions-Panel "Relevanz und Potenziale von Open Creative Labs" 

Für Kerstin Schmal reichen die aus dem Projekt heraus entwickelten gesellschaftlichen und politischen Implikationen über das Projektende und auch über dessen thematischen Fokus hinaus. Sie zeigte sich stellvertretend für das BMBF offen für konkrete Empfehlungen zur Anpassung der Förderstrategien. Beispielsweise solle darüber nachgedacht werden, wie die Förderung von Open Creative Labs in die Hightech-Strategie des Bundes integriert werden kann. Darüber hinaus gebe es noch offene Fragen zum Zusammenwirken von kommunaler, regionaler und nationaler Förderstrategien für diese Kreativlabore und inwieweit Open Creative Labs – im Kontext sozialer Innovationen – auch ein Modell für die Erhöhung der Innovationsfähigkeit ländlicher Räume sind.