18. Juli | 2017

Macht-Räume in der DDR

„Deutschland Archiv”-Schwerpunkt

Das komplexe Herrschaftssystem der DDR wurde nicht nur durch den Partei- und Staatsapparat aufrechterhalten. Auch im informellen Bereich gelang es, persistente Machtstrukturen zu etablieren. Ein Schwerpunkt der Fachzeitschrift „Deutschland Archiv“ blickt auf die räumliche Reichweite von Macht in der DDR in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Er beleuchtet aber auch den "Eigen-Sinn" einiger lokaler Akteure: im kulturellen Bereich, in der Schule, im Alltag oder in der Kommunal- und Wohnungspolitik. Das Heft basiert auf dem DFG-Forschungsprojekt „Die DDR-Bezirke – Akteure zwischen Macht und Ohnmacht“ und dessen Abschlusskonferenz im September 2015.

Das Forschungsprojekt der Historische Forschungsstelle des IRS untersuchte von 2012 bis 2015 die Funktion der DDR-Bezirksverwaltungen für das politische System der DDR und ihr Handeln im Spannungsfeld zentralstaatlicher Vorgaben, regionaler Eigeninteressen und der Machtausübung gegenüber Städten und Gemeinden. Es leistete damit einen Beitrag zur geschichtswissenschaftlichen Forschungsdebatte über das Verhältnis von diktatorisch-zentralistischen Strukturen und eigendynamischen Entwicklungen in staatlichen und gesellschaftlichen Subsystemen der DDR. Die zum Abschluss des Projekts durchgeführte Konferenz erweiterte diese Perspektive und diskutierte die Mechanismen staatssozialistischer Herrschaft in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen. Dabei gerieten unter anderem Strategien der Delegierung von Macht im zentralistischen Staatsaufbau, die Durchsetzung des staatlichen Gestaltungsanspruchs von Lebensräumen und eigensinniges Verhalten im Alltag in den Blick. So prägten sozialräumliche Disparitäten und politische bzw. Macht-Asymmetrien nicht nur den „Aufbau des Sozialismus“, sondern spielten auch bei der Erosion sozialistischer Legitimation und Ideologie eine wesentliche Rolle.

Der Schwerpunkt „Macht-Räume in der DDR“ im Deutschland Archiv, den Prof. Dr. Christoph Bernhardt und Dr. Oliver Werner mitbetreut haben, stellt eine Auswahl der Ergebnisse der Abschlusskonferenz vor. Aus den Reihen des IRS sind Bernhardt und Werner mit dem Beitrag „Macht-Räume in der DDR - Plädoyer für eine raumbezogene Analyse des sozialistischen Herrschaftssystems“ sowie Lena Kuhl mit dem Aufsatz „Regionale Macht-Räume im Zentralismus? Die ‚Eigenverantwortung‘ der örtlichen Organe der DDR" vertreten. Die weiteren Beiträge thematisieren Neubauquartiere in Berlin, die Sicherung der DDR-Außengrenze, die Politisierung von Schulräumen, die Kulturpolitik, Eigenverantwortung in der Kommunalpolitik sowie Wohnungsbesetzungen. Alle Beiträge sind online frei verfügbar unter http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/241072/macht-raeume-in-der-ddr.