18. Mai | 2017

Städtische Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen

Neues Projekt zu Klimawandel und Städten

Städte verursachen weltweit etwa 70 Prozent der Treibhausgasemissionen, sind aber auch besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Insbesondere extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hochwässer und Hitzewellen haben hohe Sachschäden zur Folge und wirken sich – aufgrund inadäquater Verhaltensweisen in Gefahrenlagen und mangelnder Vorsorge – negativ auf die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner aus. Das BMBF-Forschungsprojekt „Urbane Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen - Typologien und Transfer von Anpassungsstrategien in kleinen Großstädten und Mittelstädten“ (ExTrass) verfolgt das Ziel, die Resilienz der Städte in enger Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen, Strukturen des Bevölkerungsschutzes und der Zivilgesellschaft messbar zu stärken.

Städte sind durch die hohen Emissionen, aber auch durch die großen potenziellen Gefahren durch den Klimawandel, wichtige Akteure und Zielgruppen von Klimapolitiken. Allerdings zeigt eine erste Recherche von kommunalen Strategien zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung, dass Planungen in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern deutlich stärker verbreitet sind als in kleineren Städten. Kleinere kreisfreie Städte haben in Deutschland zwar denselben rechtlichen Handlungsrahmen wie große Großstädte, aber oft weniger Ressourcen. ExTrass konzentriert sich daher auf Städte mit 50.000 bis 500.000 Einwohnern.

Im Projekt soll ein Überblick über Aktivitäten von kleinen Großstädten und großen Mittelstädten in den Bereichen Klimaanpassung, Risikokommunikation und Klimaschutz sowie über ihre Risiken und Schadenserfahrungen geschaffen werden, um Vorreiter und Nachzügler zu identifizieren und deren Entwicklungen, vor allem Hemmnisse und Treiber, mittels Pfadanalysen zu erklären. Weiterhin soll das Potenzial zur Übertragbarkeit und Weiterentwicklung erfolgreicher Lösungsansätze anhand von drei Fallstudien, die unterschiedliche Anpassungsherausforderungen und institutionelle Rahmenbedingungen bewältigen müssen, untersucht werden. In einer zweiten Projektphase soll diese Bestandsaufnahme im Austausch von Forschung und Praxis diskutiert werden, um erfolgreiche Maßnahmen und Ideen in den drei Fallstudienstädten zu implementieren und zu testen.

Das IRS ist für das Teilprojekt „Pfadanalysen und Transferpotenzial in den Fallstudienstädten“ verantwortlich. Dabei sollen Transformations- und Anpassungspfade, begünstigende und hemmende Faktoren, extreme Ereignisse (wie z.B. Hochwasser und Überschwemmungen) sowie besonders erfolgreiche Lösungsansätze identifiziert werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Untersuchungen der Entwicklung der Klima- und Energiepolitik in Potsdam. Dieses Arbeitspaket wird auch die wissenschaftliche Begleitung der Stadt Potsdam auf ihrem Weg zur Masterplankommune umfassen. Es handelt sich dabei um eine vom Bund geförderte Initiative, die auf Klimaneutralität der Landeshauptstadt im Jahre 2050 abzielt. Diese Analyse wird sich nicht auf die städtische Ebene beschränken, sondern auch die dynamischen Beziehungen zwischen der Stadt Potsdam, dem Land Brandenburg und dem Bund einbeziehen. Vor dem Hintergrund von Fallstudien aus dem Ausland (z.B. Amsterdam, Malmö), die im Rahmen eines gerade abgeschlossenen EU-Projektes durchgeführt wurden, wird dabei die Frage im Mittelpunkt stehen, wie „Upscaling“ von lokalen Experimenten erreicht werden kann. Dabei geht es um die Fragen,

  1. ob und wie lokale Experimente auf andere Stadtteile in Potsdam übertragen werden können (experimental upscaling);
  2. ob Potsdam lokale Experimente von anderen (deutschen) Städten übernommen hat und wie Potsdam von anderen Städten lernt (voluntary upscaling);
  3. ob und wie Potsdam vom Land Brandenburg und vom Bund bei seinen Bemühungen durch Programme wie z.B. durch die Förderung von Masterplankommunen unterstützt wird (embedded upscaling) und
  4. welche verbindlichen Regelungen vom Bund bzw. vom Land die Klima- und Energiepolitik in Potsdam maßgeblich beeinflussen (mandatory upscaling).

Am 8. Mai 2017 fand das Auftaktreffen des Projekts an der Universität Potsdam statt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt hat eine Laufzeit von einem Jahr, neben dem IRS und der Universität Potsdam sind die Städte Würzburg und Potsdam sowie die Adelphi Research gGmbh Teil des Konsortiums. Eine dritte Stadt wird in Kürze hinzukommen.