10. März | 2017

Flucht und Integration als Thema der Museumsarbeit

Online-Dokumentation der Veranstaltungsreihe „Museen als Schaufenster in die neue Welt“

Europäische Museen sehen sich seit einigen Jahren vermehrt als aktive Gestalter auf dem Weg zu einer inkludierenden, offenen Gesellschaft. Auch in Deutschland hatten daher Ausstellungen über Migration Konjunktur. Die seit 2015 verstärkte Fluchtbewegung aus den Krisen- bzw. Kriegsländern Syrien, Afghanistan und Irak in die Länder Europas brachte eine weitere Dynamik im Bereich der Museumsarbeit mit sich. Doch vor allem die kleineren Museen tun sich schwer damit, den stark angewachsenen Wissensfundus für ihre Arbeit vor Ort gezielt zu nutzen. Die Weiterbildungsreihe „Museen als Schaufenster in die neue Welt“ setzte hier an und vermittelte zentrale Handlungsanforderungen und Herausforderungen der Museumsarbeit zum Thema Migration und Flucht.

Die Reihe wurde in Kooperation zwischen dem IRS und dem Friedrichshain-Kreuzberg-Museum (FHXB) mit Unterstützung des Museumsverbandes Berlin-Brandenburg konzipiert und von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Zu den drei Veranstaltungen zwischen Oktober und Dezember 2016 kamen renommierte Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland und gaben einen systematischen Überblick über die Themen „Internationale Museumspraxis im Themenfeld Migration und Flucht“, „Migration, Diaspora und städtische Transformation“ und „Repräsentation von Migrations- und Fluchtgeschichte(n) in Museen“. Anschließend wurden die Inputs in Workshops und Diskussionsformaten zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus der Museumspraxis, der Wissenschaft, der Stadtpolitik und der kommunalen Integrationsarbeit diskutiert.

Zentrale Befunde und Erkenntnisse aus der Weiterbildungsreihe sind in einer Handreichung für die Museumsarbeit zusammengefasst. Diese beziehen sich zunächst auf die Rolle, die städtische oder regionale Museen bei der Unterstützung von Geflüchteten einnehmen können. Zu den drängenden Fragen zum Aufenthaltsrecht und zum Arbeitsmarktzugang können die Museen keine Patentlösungen anbieten. Dennoch können sie Angebote für eine verbesserte Partizipation anbieten, etwa in dem sie Vermittlungs- und Freizeitangebote bereitstellen. Veranstaltungen, die sich in der Praxis bewährt haben, sind Theater- und Kunstprojekte, Workshops zu praktischen Fragen wie Wohnen und Arbeiten sowie Projekte zu den Themen Heimat, Zugehörigkeit und Kultur. Um diese Rolle auszufüllen, bedarf es dauerhafter und professionell organisierter Projekte, die in enger Zusammenarbeit zwischen Museen, Flüchtlingsorganisationen, anderen sozialen Einrichtungen und den betroffenen Menschen entwickelt werden. Der soziale und kulturelle Wert derartiger Museumsaktivitäten sollte wiederum durch eine adäquate kommunale Finanzierung anerkannt werden.

Museen, die in dieser Art und Weise als sozial-kulturelle Einrichtungen neu gedacht werden, gehen über ein weit verbreitetes Selbstverständnis der Museen, nämlich die Gesellschaft über die Geschichte eines Ortes oder eines Themas zu informieren, weit hinaus. Im besten Fall wandeln sich die Museen von Schaufenstern zu Schauplätzen der pluralen Gesellschaft. Das Themenfeld Flucht und Integration stiftet gerade zu einer Weiterentwicklung der Museumsarbeit an, so ein zentraler Befund in der Handreichung. Diese Herangehensweise bringt mit sich, dass die historische und gesellschaftliche Rolle der Migration als lokale Spiegelung globaler Prozesse bearbeitet werden kann  und gleichzeitig das Museum vor Ort Schauplatz sozialer und kultureller Auseinandersetzung werden kann. Die Multiperspektivität der Einwanderungsgesellschaft fordert von den Museumsmitarbeiterinnen und –mitarbeitern zunächst einmal mehr Wissen über die kulturellen Hintergründe und Mehrsprachigkeit. Daher wurde ein Überblick über internationale Entwicklungen gegeben. Die Weiterbildungsreihe stand als Plattform für den gezielten und wiederholten Austausch untereinander und in thematischen Workshops zur Verfügung.

Die Weiterbildungsreihe „Museen als Schaufenster in die neue Welt“ ist an dieser Stelle umfassend dokumentiert. Neben der Handreichung für die Museumsarbeit finden sich dort Video-Mitschnitte aller Vorträge und Kommentare sowie Zusammenfassungen der Workshops.

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Die Fluchtbewegung in die Staaten Europas, die sich im Sommer 2015 dramatisch zuspitzte und oft als „Flüchtlingskrise“ bezeichnet wird, entfachte zahlreiche Debatten über Flucht als Thema der Museumsarbeit. Können Museen als Vermittler zwischen globalen Prozessen und lokalen Erfordernissen auftreten? Haben Ausstellungen und Sammlungen das Potenzial zu einem besseren Verständnis der globalisierten, von Kriegen und Zwangsmigration gekennzeichneten Welt beizutragen? mehr Info