02. März | 2017

Call for Papers der Zeitschrift "Raumforschung und Raumordnung"

Land- und Immobilienmanagement – neue Herausforderungen in schrumpfenden und wachsenden Städten und Regionen

Das Land- und Immobilienmanagement ist ein querschnittsorientiertes Aufgabenfeld, dessen Zielsetzungen und Handlungsmaximen durch den tiefgreifenden Wandel bei den demografischen, ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen, bei den Rollen von Staat und Zivilgesellschaft, bei der Eigenlogik der handelnden Akteure sowie bei den sozialen Wertvorstellungen beeinflusst werden.

Komplexe Problemlagen und Herausforderungen ergeben sich seit einigen Jahren sowohl in dynamisch wachsenden als auch in dynamisch schrumpfenden Regionen. Dies geschieht des Weiteren nicht nur auf unterschiedlichen räumlichen Skalenebenen, sondern betrifft auch die räumliche Entwicklung von städtischen ebenso wie von ländlichen Regionen. Das breite Spektrum von analytischen und strategischen Fragestellungen für das Land- und Immobilienmanagement lässt sich anhand folgender fünf Bereiche umreißen:

  • Ein erstes strategisches Handlungsfeld ergibt sich aus dem demografischen Wandel und den regionalen und internationalen Bevölkerungswanderungen. In schrumpfenden Regionen – in Städten ebenso wie in Dörfern – scheint eine langfristige Anpassung der Siedlungs- und Infrastrukturen an eine rückläufige Einwohnerzahl sowie an eine alternde und diversifizierte Bevölkerung erforderlich zu sein. In der Folge bedarf es gezielter Strategien, um unter gesellschaftlichen Prämissen wie wirtschaftliche Tragfähigkeit, Erreichbarkeit und Angebotsqualität in der Daseinsvorsorge gleichwertige Lebensbedingungen in allen Teilräumen zu sichern. Darüber hinaus bedarf es Entwicklungsperspektiven für verödende Stadt- und Ortskerne, strukturschwache Regionen, Brachflächen und leerstehende Gebäude etc. In prosperierenden Regionen hingegen ergeben sich neue Allokations- und Verteilungsprobleme hinsichtlich einer sozialgerechten Bodennutzung und adäquaten Wohnraumversorgung. Aufgrund der intraregionalen Differenzierung in wachstumsstarke und strukturschwache Gebiete erfordert eine nachhaltig orientierte Entwicklung zusätzlich die Implementierung von Ausgleichsmechanismen auf der jeweiligen Betrachtungsebene.
  • Die Landnutzungssteuerung außerhalb der Siedlungsbereiche stellt angesichts der wieder rasant ansteigenden Nachfrage nach Flächen für unterschiedliche Zwecke ein zweites strategisches Handlungsfeld dar. Als wesentliche Treiber des Flächenbedarfs sind das anhaltende Siedlungs- und Verkehrsflächenwachstum, die Nahrungsmittelproduktion zur globalen Ernährungssicherung, die Produktion von Biomasse für die energetische und stoffliche Verwertung sowie die Flächenansprüche für den Umwelt- und Naturschutz zu nennen. Im Fokus stehen Konzepte, Analyse- und Bewertungsansätze sowie Strategien für eine ressourceneffiziente nachhaltige Landnutzung, mit denen sich zugleich Flächen-nutzungskonkurrenzen und -konflikte bewältigen lassen.
  • Ein drittes strategisches Handlungsfeld resultiert aus den Folgen des globalen Klimawandels. Nach dem aktuellen Stand des Wissens über die mittel- und langfristigen Auswirkungen sind umfangreiche raumstruktur- und flächennutzungsrelevante Mitigations- und Adaptionsmaßnahmen erforderlich. Dazu gehören die Energiewende als Beitrag zum Klimaschutz mit einem umfangreichen Steuerungsbedarf vor allem für Flächen und Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien sowie die Risikovorsorge z.B. durch präventiven Hochwasserschutz als Beitrag zur Klimaanpassung der Städte und Regionen.
  • Der gesellschaftliche Wertewandel umreißt ein viertes bodenpolitisch äußerst relevantes Handlungsfeld. Die Einsicht in die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen und Systemzusammenhänge und deren fundamentale Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung führen zu veränderten Bewertungen und Gewichtungen im Rahmen räumlicher Planungs- und Entwicklungsprozesse. Der Schutz der biotischen und abiotischen Ressourcen ein-schließlich der Siedlungsfläche und des Freiraums, die Erhaltung der Biodiversität und die Sicherung und Entwicklung von Kulturlandschaften durch angepasste Landentwicklungskonzeptionen sollen dazu beitragen, die Ökosystemleistungen für die Gesellschaft insgesamt langfristig zu sichern.
  • Schließlich erfordert der Politikwandel mit verändertem Staats- und Gesellschaftsverständnis vom vorsorgenden Wohlfahrtsstaat zum motivierenden und gewährleistenden Sozialstaat mit einer aktiven Bürgergesellschaft neue Governanceformen und Planungs-methoden für das Land- und Immobilienmanagement, die sich mit den Schlagworten kooperativ, bürgerorientiert und partizipativ, projekt- und umsetzungsorientiert umreißen lassen. Aufgrund der teilweisen Rücknahme des öffentlichen Steuerungsanspruchs und der Veränderung der Governancestrukturen sollen optimierte Lösungen unter Partizipation vieler Akteure bevorzugt auf freiwilliger Basis erreicht werden. In der Folge steht auch das Capacity Building vor neuen Herausforderungen.

Dieses Spektrum neuer Aufgaben für das Land- und Immobilienmanagement ist angesichts der fundamentalen Veränderungen in den gekoppelten Mensch-Umwelt-Systemen Stadt und Region komplex und verlangt eine intensive Auseinandersetzungen sowohl mit den theoretischen Grundlagen und Modellbildungen, eine Verbreiterung der empirischen Grundlagen sowie auch eine kritische Überprüfung und Weiterentwicklung von Instrumenten und Arbeitsweisen.

Die wachsende Bedeutung der überfachlichen Wechselwirkungen macht eine noch stärker interdisziplinär ausgerichtete Arbeitsweise unverzichtbar. Die wesentlich entwickelten Möglichkeiten der zusätzlichen Daten- und Informationsanalyse und des Informationsaustausches sowie Transparenzanspruchs, z.B. die erweiterten Anforderungen an die Transparenz des Immobilienmarktes, müssen in die Arbeitsweise integriert werden.

Vor diesem Hintergrund wird in der Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning“ ein Schwerpunktheft zum Thema „Land- und Immobilienmanagement – neue Herausforderungen in schrumpfenden und wachsenden Städten und Regionen“ vorbereitet.

Die Herausgeber der Zeitschrift bitten um Manuskripte zu den vorgenannten Handlungsschwerpunkten. Die Manuskripte müssen bis zum 31.08.2017 über die Website der Zeitschrift (http://www.springer.com/earth+sciences+and+geography/geography/journal/13147) online eingereicht werden.

Auf der Website befinden sich auch Hinweise zur Manuskriptgestaltung. Im September 2017 erfolgt die Mitteilung, ob das jeweils eingereichte Manuskript für das obligatorische Reviewverfahren zugelassen wird. Die Reviewverfahren erfolgen bis voraus-sichtlich Ende 2017. Geplanter Erscheinungstermin des Schwerpunktheftes ist 2018.

Für inhaltliche Rückfragen steht Prof. Dr. Theo Kötter, Universität Bonn, zur Verfügung (E-Mail: koetter(at)uni-bonn.de), für organisatorische Fragen die Schriftleiter der Zeitschrift Prof. Dr. Andreas Klee (E-Mail: klee(at)arl-net.de) und Angelika Krehl (E-Mail: angelika.krehl(at)ils-forschung.de).

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