10. Januar | 2017

Abschluss des EnerLOG-Projekts im Zeichen des Wissenstransfers

Im Oktober 2016 beendeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungsabteilung „Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter“ das BMBF-Forschungsprojekt „Lösung von lokalen energiepolitischen Konflikten und Verwirklichung von Gemeinwohlzielen durch neue Organisationsformen im Energiebereich“ (EnerLOG). In dessen Rahmen haben sie gut drei Jahre lang Analysen von Energiekonflikten durchgeführt und daraus Vorschläge für die Implementierung der Energiewende auf lokaler Ebene entwickelt. Der Transfer der Ergebnisse in die Praxis war ein integraler Bestandteil des Projekts und bestimmte auch die Aktivitäten zum Projektabschluss.

Das Ziel des EnerLOG-Projekts war es, die lokal entstehenden Konflikte bei der Umsetzung der Energiewende im engen Dialog zwischen Forschung und kommunaler Praxis zu systematisieren und nach Wegen zu suchen, diese Konflikte produktiv zu nutzen. Eine Quelle der Konflikte liegt dabei in Dezentralisierung der Energieerzeugung und der damit einhergehenden Diversifizierung der beteiligten Akteure und ihrer Interessen. So entstehen nicht nur Konflikte etwa um geeignete Standorte für Windkraftanlagen, auch um die Verteilung der Erträge aus dezentralen Anlagen und partizipative Planungsprozesse in Kommunen und Landkreisen. Im EnerLOG-Projekt standen neue Organisationsformen, die untrennbar mit der diversifizierten Akteursstruktur verknüpft sind, in besonderem Fokus: Den neu formierten Stadtwerken, Energiegenossenschaften oder Bioenergiedörfern kommt eine wichtige Rolle  bei der Gestaltung der Energiewende zu.

Im August erschien aus dem Projekt heraus die Broschüre „Energiekonflikte nutzen: Wie die Energiewende vor Ort gelingen kann“. Sie stellt einen praxisorientierten Überblick dar, wie lokale Akteure mit Konflikten umgehen und positive Strategien entwickeln können. Die Autoren Dr. Matthias Naumann und Sören Becker geben zunächst einen Überblick über Typen von Konflikten um erneuerbare Energien, analysieren anschließend wiederkehrende Akteurskonstellationen und zeigen anschließend Strategien und Wege auf, wie die Konflikte diskutiert, eingefangen und genutzt werden können. Konflikte müssen dabei stets in ihrem spezifischen Kontext und ihrer Vorgeschichte verstanden werden. Es ist zum Beispiel wichtig, zu überlegen, welche öffentlichen und privaten Akteure für die Konfliktlösung wichtig sind, aber auch wer als "Grundsatzkritiker" wahrscheinlich nicht überzeugt werden kann. Entsprechend müssen formelle und informelle Gesprächsformate ausgelotet werden, die zur jeweiligen Zusammensetzung der Akteure passen.

In die Broschüre sind die Erkenntnisse einer zweitägigen Transferkonferenz im April 2015 eingeflossen. Auf der Konferenz wurden in der Mitte der Projektlaufzeit erste Projektergebnisse diskutiert und neue Impulse in die Projektarbeit aufgenommen. Durch Diskussionen mit Geschäftsführern von Stadtwerken und Energiegenossenschaften, Bürgermeistern, Bürgerinnen und Bürgern sowie den IRS-Forscherinnen und -Forschern wurde der Transfer nicht eingleisig, sondern als inspirierender Dialog gestaltet. In der Schlussphase des EnerLOG-Projekts setzte sich dieser Dialog auf zahlreichen Veranstaltungen fort, darunter die Abschlusskonferenz der Fördermaßnahme „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ (27. – 28. Oktober 2016, Dortmund), die internationale Konferenz „LocalRenewables“ (27. – 29. Oktober 2016, Freiburg), der „Brandenburger Energietag“ (19. September 2016, Cottbus) und der 3. Bürgerenergie-Konvent (16. – 17. September 2016, Berlin).