09. November | 2016

Was ist innovativ an der regionalen Steuerung der Energiewende?

In Forschungsprojekten zu Innovationen in der Entwicklung von Städten und Regionen wird oftmals bereits in einem ersten Schritt ex-ante definiert, was eigentlich aus der Sicht der Wissenschaft oder normativer Zielstellungen die zu untersuchenden Innovationen seien. Die Arbeitsgruppe „Regionale Steuerung der Energiewende in Nordostdeutschland: Innovationen im Planungssystem?“ der Akademie für Raumforschung und Landesplanung geht da zunächst anders vor. Sie will die Akteurinnen und Akteure der Energiewende selbst einschätzen lassen, welche Praktiken, Gesetze oder Verfahren sie als innovativ einschätzen.

In dieser Position wurden die Mitglieder der Arbeitsgruppe bestärkt, als sie sich am 7. November 2016 in den Räumen des IRS zu einem Workshop trafen. Dieser hatte zum Ziel, sich mit Innovationsbegriffen in der Forschung zu befassen und auf das Handlungsfeld der regionalen Steuerung der Energiewende zu übertragen. Dazu präsentierte Prof. Dr. Oliver Ibert (IRS, Forschungsabteilung „Dynamiken von Wirtschaftsräumen“) die wesentlichen Erkenntnisse des DFG-geförderten Projekts „Innovationen in der Planung: Wie kommt Neuartiges in die räumliche Planung?“. Dr. Christian Eismann vom „inter 3 Institut für Ressourcenmanagement“ stellte anschließend Erfahrungen aus der Begleitforschung zum BMBF-Förderschwerpunkt „Innovationsgruppen für ein Nachhaltiges Landmanagement“ zur Diskussion.

Die vom IRS-Wissenschaftler Dr. Ludger Gailing geleitete ARL-Arbeitsgruppe diskutierte die Definitionen und Konzeptideen der beiden Referenten anhand von innovativen Fällen regionaler Windkraftplanung, der Entwicklung von Energiekonzepten sowie von Formen der Öffentlichkeitsbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Dr. Petra Overwien von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg stellte hierzu in einem weiteren Vortrag die Besonderheiten des Planungssystems heraus, die bei einer Analyse von Innovationen auf der regionalen Handlungsebene immer zu berücksichtigen seien. Hierzu zähle die Privilegierung der Windenergie mit Planungsvorbehalt im BauGB ebenso wie Vorgaben der Rechtsprechung für Konzentrationszonen für Windenergie. Auf der Grundlage der diskutierten Innovationskonzepte und -praxisbeispiele wird die ARL-Arbeitsgruppe im Jahr 2017 Fokusgruppen mit Praktikern der Energiewende in Nordostdeutschland durchführen und auswerten.