10. Oktober | 2016

Peripherisierung und Stadt - Städtische Planungspolitiken gegen den Abstieg

Das vor kurzem erschienene Buch „Peripherisierung und Stadt“ von Dr. Manfred Kühn fasst die Ergebnisse mehrerer Forschungsprojekte des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung zusammen und gibt einen fundierten Einblick in die Abwärtsdynamiken von Städten, die mit Abwanderung, Abhängigkeit, Stigmatisierung und Abkopplung konfrontiert sind. Kühn systematisiert Peripherisierung als sozialräumlichen Prozess und verbindet vier Fallstudien mit etablierten Raumtheorien zur Peripherisierung. Das Buch ist in der Fachwelt exzellent aufgenommen worden: Eine Rezension in der Zeitschrift disP spricht von einem „sehr gelungenen Werk, das die Diskussion um städtischen Niedergang definitiv bereichert“.

Während die meisten Metropolen und Großstädte boomen, sind viele Klein- und Mittelstädte von Abstiegsprozessen bedroht. Diese verlieren ihre frühere Bedeutung, weil junge Menschen abwandern, Unternehmen Arbeitsplätze abbauen, Geschäfte und Schulen schließen, Kommunen in Finanznot geraten und die Medien negativ berichten. Dadurch besteht die Gefahr einer Abwärtsspirale. Das Buch „Peirpherisierung und Stadt“ beschreibt in Fallstudien zu Detroit, Pirmasens, Eschwege und Sangerhausen welche Auswege die Planungspolitik aus den Prozessen der Peripherisierung findet. Dabei überträgt Kühn, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ des IRS, den Ansatz der Peripherisierung von ländlichen Räumen auf Städte. Er zeigt, dass Städte nicht durch eine geographische Randlage, sondern durch den Verlust von Macht an den Rand gedrängt werden. Im Unterschied zur bankrotten Autometropole Detroit, deren lokale Akteure durch die Zwangsverwaltung weitgehend ohnmächtig sind, können Klein- und Mittelstädte im deutschen Föderalismus Formen von Gegenmacht entwickeln und sich in den Landeshauptstädten Gehör verschaffen.

„In den aktuellen Debatten zur Reurbanisierung von Großstädten und zum demographischen Wandel in ländlichen Räumen wirft das Buch ein Licht auf kleinere Städte, die in der Raumplanung als Zentren gelten, aber als Verlierer des Strukturwandels weiter schrumpfen“, erläutert Kühn die Bedeutung des Themas in aktuellen Debatten in Forschung und Politik. „Diese Schrumpfungsprozesse sind kein Schicksal, sondern auch das Ergebnis von Entscheidungen der Politik und Wirtschaft. Als wichtige Ansatzpunkte einer Entperipherisierung erweisen sich Bildung und Qualifizierung für die Planungspolitik von Städten.“

Das Buch richtet sich in erster Linie an Forschende und Lehrende auf den Gebieten der Raumplanung, Stadt- und Regionalplanung, angewandten Geographie und lokalen Politikforschung. Da sich der Autor dem Motto ›theoria cum praxi‹ verpflichtet fühlt, sind die Studien auch für Vertreter der Praxis räumlicher Planung und Stadtpolitik lesenswert.

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