15. September | 2016

IRS startet European Training Network zu sozialen und wirtschaftlichen Problemen ländlicher Regionen

Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner hat ein „European Training Network“ im hoch kompetitiven „Marie-Sklodowska-Curie“ der Europäischen Union eingeworben. Ab Dezember 2016 werden – koordiniert vom IRS – insgesamt zwölf Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus sieben Ländern eine strukturierte Doktorandenausbildung anbieten. Die zehn Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen werden sich mit der Frage auseinandersetzen, welche innovativen Lösungen Sozialunternehmen bei Abstiegsprozessen ländlicher Räume in Europa anbieten können. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren und ein Budget von 2,5 Mio. Euro.

Strukturschwache ländliche Räume sind mit großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Im Vergleich mit Großstädten oder Metropolregionen ist die wirtschaftliche Produktivität deutlich geringer und sie bieten eine eingeschränkte Palette von Gütern und Dienstleistungen. Als Folge davon verlassen viele Einwohner diese Regionen, insbesondere junge und gut ausgebildete Menschen. Dies setzt Abwärtsbewegungen in Gang, im Zuge derer sich die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieser Regionen weiter verschlechtern und die Chancen, die Strukturschwäche zu überwinden, schwinden.

Das European Training Network RURACTION („Social Entrepreneurship in Structurally Weak Rural Regions: Analysing Innovative Troubleshooters in Action”) sucht nach sozial innovativen Lösungen für diese Probleme. Dabei spielen Sozialunternehmen eine wesentliche Rolle: Sie entwickeln soziale Innovationen und implementieren diese mit unternehmerischen Mitteln. Im Projekt gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern aus Sozialunternehmen und Verwaltungen den Fragen auf den Grund, unter welchen Rahmenbedingungen die Sozialunternehmen arbeiten, wie sie innovative Lösungen organisieren, wie sie sich mit den Bewohnern der länglichen Regionen vernetzen und diese unterstützen, welche Auswirkung ihre Arbeit auf ländliche Entwicklungen hat und wie sie ihn ihren Aktivitäten unterstützt werden können.

Die Europäische Kommission hat das Thema soziale Innovationen in ländlichen Regionen als Forschungslücke identifiziert. RURACTION zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Das Forschungs- und Ausbildungsnetzwerk bringt dazu renommierte Wissenschaftler und erfahrene Praktiker aus Sozialunternehmen zusammen. Die Projektpartner werden ihre Expertise in diversen Fortbildungsformaten für die Nachwuchswissenschafter/innen, beispielsweise spring schools, skill seminars und Austausche zwischen Wissenschaft und Praxis, zur Verfügung stellen. Auf diese Weise werden exzellente Forschungsergebnisse entstehen und akademisch und praktisch hervorragend qualifizierte Nachwuchswissenschaftler ausgebildet werden. Diese können ihre Expertise im Feld der sozialen Innovationen in ländlichen Regionen für weitere Forschungsarbeit nutzen, sich auf die Förderung und Unterstützung von bestehenden Sozialunternehmen spezialisieren oder eigene Initiativen begründen.

Das Projekt wird im Dezember 2016 starten und eine Laufzeit von vier Jahren haben. Das Projektteam besteht aus folgenden akademischen und nicht-akademischen Partnern:

Projektkonsortium (Zuwendungsempfänger)

  • Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) e.V. (Deutschland)

  • Adam Mickiewicz Universität in Pozna? (Polen)

  • Roskilde Universität (Dänemark)

  • Ballyhoura Development Ltd (Irland)

  • University College Cork - National University Of Ireland, Cork (Irland)

  • Leibniz-Institut für Länderkunde e. V. (IfL) (Deutschland)

  • Universität der Ägäis (Griechenland)

  • Otelo Egen (Austria)

  • Instituto Universitário de Lisboa (Portugal)

Projektpartner

  • Social Impact gGmbH (Deutschland)

  • ADCMoura - Associação para o Desenvolvimento do Concelho de Moura (Portugal)

  • Stevia Hellas (Griechenland)

Mit einem zweiten, bereits laufenden EU Forschungsprojekt verfügt das IRS über große Erfahrungen im Forschungsfeld der sozialen Innovationen in strukturschwachen ländlichen Räumen. Das Projekt „Social Innovations in Structurally Weak Rural Regions: How Social Entrepreneurs Foster Innovative Solutions to Social Problems (RurInno)“ ist im Februar 2016 gestartet und bietet einen komplementären Blick auf diese Fragestellungen, indem es den Austausch von Personal zwischen zwei Forschungseinrichtungen und vier Sozialunternehmen fördert. Diese Austausche haben drei Ziele: Zunächst soll der der Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis gefördert werden. Darüber hinaus verbreitern die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr empirisches Wissen in dem Forschungsfeld und zuletzt sorgt das Projekt für eine höhere Sichtbarkeit der Arbeit von Sozialunternehmen in Politik und Gesellschaft.