10. August | 2016

Energiekonflikte nutzen: Wie die Energiewende vor Ort gelingen kann

Konflikte sind Chance für eine Neuausrichtung der Energieversorgung vor Ort und kein Hindernis. Mit diesem Aufruf an die Akteure der lokalen Energiewende fasst das Projekt EnerLOG die Ergebnisse aus drei Jahren empirischer Forschungsarbeit zusammen. Doch die Forscherinnen und Forscher des IRS belassen es nicht bei Appellen: In einer jetzt erschienenen Broschüre für die Praxis zeigen sie, wie sich selbst festgefahrene Konfliktsituationen konstruktiv lösen lassen.

Basis der Empfehlungen von EnerLOG sind sechs Fallstudien sowie die wissenschaftliche Begleitung von zwei Kommunen in Brandenburg, die für Erfolgsgeschichten einer Energiewende vor Ort stehen. Die Fallstudien reichen von der Rekommunalisierung der Hamburger Energieversorgung über die schwierige Gründung einer Energiegenossenschaft in der Kleinstadt Ingersheim bei Stuttgart bis hin zum erfolgreichen Aufbau eines Bioenergiedorfes in der nordostdeutschen Gemeinde Bollewick.

Die EnerLOG-Broschüre gibt im ersten Teil praktische Anleitungen, wie Energiekonflikte „erkannt, eingeordnet und systematisiert werden können“. Der zweite Teil bietet dann konkrete Hilfestellung bei der Gestaltung von Konflikten. Das Motto dabei lautet „Energiekonflikte nutzen!“ – ein Ansatz, den ähnlich auch ein anderes Projekt dieses Forschungsprogramms vertritt. Die Empfehlungen richten sich an „kommunale Mandatsträger, Mitarbeiter der Verwaltung, aus Unternehmen und Verbänden“ sowie an Bürgerinnen und Bürger.

Wichtig: strategisches und langfristig angelegtes Handeln

Doch wie lassen sich Energiekonflikte tatsächlich nutzen? Voraussetzung ist nach den Erkenntnissen der Forscherinnen und Forscher „ein strategisches und langfristig angelegtes Handeln“. Quelle von Konfliktlösungen können aus Sicht von EnerLOG neben Akteuren und Argumenten besonders auch neue Organisationsformen sein. Tragen diese zu einer fairen Verteilung der Erträge und Lasten einer neuen lokalen Energieversorgung bei, können sie zum produktiven Wendepunkt eines Konflikts werden.

Auf einen Punkt weisen die Forscherinnen und Forscher von EnerLOG abschließend besonders hin: Jede Konfliktlösung muss es den betroffenen Akteuren erlauben, sich an die veränderte Situation anzupassen. Ist das nicht gegeben, kann es sogar hilfreich sein, „von einem geplanten Vorhaben Abstand zu nehmen“. In jedem Fall sollte Konflikten "nicht aus dem Weg gegangen werden“. Sie seien, so das EnerLOG-Team, vielmehr „als eine Chance zu begreifen, Neues entstehen zu lassen“.