04. März | 2016

Potenziale erkennen – Handlungsoptionen gewinnen

Zukunftswerkstatt in Bischofswerda

Viele ostdeutsche Kleinstädte sind auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Dabei verstellen die zumeist problemorientierten Denk- und Handlungsroutinen den Blick auf die Potenziale der jeweiligen Stadt. Auch in der sächsischen Kleinstadt Bischofswerda hat sich über Jahre ein ausgeprägter Negativdiskurs entwickelt, der die lokale Entwicklung hemmt und schwierig zu durchbrechen ist. Dafür arbeiten im Forschungsprojekt „Crowd Production“ Wirtschafts-, Sozial- und Technikwissenschaftler gemeinsam mit Praxispartnern aus Bischofswerda daran, die städtischen Potenziale wieder zu entdecken und neue Handlungsoptionen zu gewinnen. Am 3. März 2016 führten sie in Bischofswerda eine Zukunftswerkstatt durch, die neue Impulse für die Gemeindeentwicklung geben sollte.

Bischofswerda ist eine Kleinstadt in der sächsischen Oberlausitz zwischen Dresden und Bautzen. Hier hat sich in den letzten Jahren eine negative Grundstimmung entwickelt, deren Ursachen in wirtschaftlicher Stagnation und einer lokalpolitischen Krise zu finden sind. Vor diesem Hintergrund benötigte Bischofswerda kreative Impulse, die ein potenzialorientiertes Denken zulassen und neue Perspektiven schaffen. Um dies zu erreichen, haben die Projektpartner von „Crowd Production“ – neben dem IRS wirken das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) sowie das Unternehmen T.O.P. Heidenau mit – im Jahr 2015 einen partizipativ ausgerichteten Veränderungsprozess initiiert und wissenschaftlich begleitet, der zur Belebung der lokalen Wirtschaft und der Stadtgesellschaft beitragen soll.

Im ersten Schritt des IRS-Teilprojekts haben Prof. Dr. Gabriela Christmann und Dr. Tobias Federwisch eine sogenannte Potenzialanalyse durchgeführt. Als Grundlage dienten Dokumente und Medienberichte, aus denen stadtentwicklungsrelevante Daten und stadtspezifische Diskursthemen herausgearbeitet wurden. Darüber hinaus führten die IRS-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler 20 Interviews mit Schlüsselpersonen durch, um deren Problemsichten, aber auch deren Ideen für zukünftige innovative Lösungsansätze für die Stadt zu ermitteln. Auf dieser Basis konnten Potenziale von Bischofswerda aufgedeckt werden, die in den ausgeprägten Negativdiskursen kaum noch thematisiert wurden – etwa die Verfügbarkeit von günstigen Gewerbeflächen, ausbaufähige Angebote für die Naherholung oder die Stärkung Bischofswerdas als Ort der Bildung.

Die Ergebnisse der Potenzialanalyse wurden Ende 2015 aufbereitet, um sie im weiteren Projektverlauf für die inhaltliche Konzeption einer Zukunftswerkstatt einbringen zu können, die am 3. März 2016 in Bischofswerda stattfand. Dort haben Akteure aus Lokalpolitik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam in einem kreativen Suchprozess ihre Ziele für die weitere Entwicklung in Bischofswerda identifiziert, Handlungsoptionen eruiert, erste Projektideen entwickelt und Gruppen für die Umsetzung der Ideen gebildet. Erste Zwischenevaluierungen, in denen beteiligte Akteure im Hinblick auf ihre Zufriedenheit mit dem initiierten kreativen Prozess und der Potenzialanalyse befragt wurden, ergaben ein positives Bild: Mehrheitlich fanden beteiligte Bürger, Lokalpolitiker und Wirtschaftsvertreter den Prozess sehr hilfreich, waren zum Teil erstaunt über die Potenziale und fühlen sich zum weiteren Handeln motiviert.